Im März war ich eine Woche in Agadir, Marokko um die Tierhilfe Marokko zu besuchen (www.tierhilfemarokko.ch )
Da ich vor dem Abflug eigentlich gar nicht viel über die nächsten paar Tage wusste, war ich auch sehr gespannt, was mich erwarten würde. Lustigerweise hatte ich aber vor dem Unbekannten (fremdes Land, fremde Leute, keine Ahnung wo schlafen, bei wem, können die leute mich brauchen, werde ich ne Woche alleine unterwegs sein, etc) viel weniger Angst, als von der Tatsache, das ich eine ganze Woche (!!!!) ohne meinen Holden auskommen soll.
Wir waren in den letzten fünf Jahren noch nie eine ganze Woche getrennt und daher war das schon fast Auslöser für kleine Panikattacken in der Migros beim Schokoladen einkaufen.
Auf jeden Fall verlief die Reise super.
Am Freitagabend haben wir schon Gepäck und Transportbox eingecheckt, da ich am Samstag alleine gar nicht fähig gewesen wäre das alles mit zu nehmen im Zug.
Nach dem Abklatschen mit meiner Mum am Flughafen, die an dem Tag gerade von ihrem Urlaub zurückgekommen ist, hab ich im Gate auf den Abflug gewartet.
Plötzlich eine Stimme aus dem Lautsprecher: „Frau F., bitte zum Schalter X“.. Huch, das bin ja ich.. Ich wurde noch nie über Lautsprecher irgendwo ausgerufen… Oweh, was hab ich wohl angestellt?
Schnell klärt sich, dass eine Freundin von Michèle am Flughafen am Arbeiten ist und sie mich noch kurz treffen wollte.
Bhu, Glück gehabt.
Als der Flug losgeht, bin ich total entspannt und in mein Buch vertieft. Und nach einem kurzen Zwischenstopp in Marrakech landen wir auch schon in Agadir.
Hoffentlich finde ich Michèle oder sie mich =)
Beim Ausgang steht Michèle schon und nimmt mich herzlich in Empfang. Und schon sind wir unterwegs in ihren Shop mitten in der Stadt.
Auf dem Weg dorthin fahren wir noch beim Tierarzt vorbei und holen eine kleine Katze ab. Das arme Ding scheint sehr krank zu sein, und wird in der Wohnung ihres Angestellten sich wieder erholen können.

Danach weiter ins Geschäft und von dort zu Michèle nach Hause.
Dort hab ich dann zum ersten Mal ihre Farm gesehen.
Super schön mit suuuuuper vielen Tieren.
Um das ganze Gelände verläuft eine Mauer, und dann gibt es noch diverse Zäune, damit die unterschiedlichen Hunde, nicht überall hin können.
Es gibt Orangenbäume und grosse Käfige für Vögel, Hasen und Meerschweinchen. Hunde und Katzen, die vor lauter Freude über den Besuch dich auf Schritt und Tritt begleiten und sobald du irgendwo absitzt, hast du mindestens drei Katzen auf dem Schoss, wenn nicht sogar auf dem Schultern. Oder die kleinen Hunde wollen zu dir sitzen.
Wie der kleine Pinky. Ein lieber kleiner Chihuahua, der bei meiner Ankunft noch am Niesen und Husten war. Damit der Kleine schön warm hatte, durfte er immer bei mir sitzen und wurde ab und an auch in mein Halstuch eingewickelt.
Den Süssen hätte ich am Liebsten mit nach Hause genommen nach der Woche in Agadir. 
Genau so wie Chilli, die aktive Schäferhündin, welche schon nach kurzem üben brav Tennisbälle apportiert hat.

Oder die schwarze Kletter-Katze.
Oder, oder, oder…
Ich hab bei Michèle so viele tolle Tiere kennengelernt, das ich gar nicht sagen kann, welcher der Goldschätze als erstes eingetütet worden wäre zum mit Nachhause nehmen.
Während der Woche haben wir sehr viel gemacht, Michèle hat mir Orte gezeigt an welchem viele Tiere waren, ich durfte bei ihr im Shop sein und wir haben sehr viele Leute besucht. Vor allem die Afternoon Tea Party with the Brithish People bei Cristina Lynch war sehr lustig und vor allem lecker.
Ich hatte jede Nacht Besuch von drei Katzen, wovon eine sehr, sehr, sehr anhänglich war, eine gerne im Bett geschlafen hat und die dritte, sobald ich mich bewegt habe, immer gleich abgehauen ist.
Von der dritten bin ich nicht mal so sicher ob diese existiert hat, da ich diese nur immer gespürt, aber nie wirklich gesehen habe.

Von Mittwoch auf Donnerstag mussten die drei aber draussen schlafen, da ich für die kleine, kranke Katze Nachwache machte. Das arme Ding war immer noch nicht besser beieinander und total dehydriert. Daher musste ich alle zwei Stunden gucken wie es dem Kleinen geht und ev mit Medikamenten und Infusion agieren.
Dem Kitten war so kalt, das es sich als erstes mal auf meinen Hals gekuschelt hat, damit meine Körperwärme es aufwärmt. Nach dem wir so die ersten zwei Stunden der Nacht verbracht haben, hat es bemerkt, das es unter der Bettdecke noch wärmer ist. Also ab in die Kuhle bei den Beinen.
Natürlich hab ich mit offenen Augen geschlafen, da ich Angst hatte, das Kleine mit meinem Körper zu zerquetschen, zu verpassen, wen es dem Kleinen schlechter geht, etc. War also eine anstrengende Nacht als Katzen-Krankenschwester.
Am Donnerstag musste Michèle nochmals in die Stadt, ich war nach der Nachtware aber zu gerädert, das ich auf der Farm geblieben bin und die Zeit für Intensivkuscheln genutzt habe.
Zwischendurch gab’s wieder Infusion und Medikamente für die kleine Katze, und bei meinem Versuch, etwas Schlaf nachzuholen, haben mich 4 Hunde und 3 Katzen begleitet. Die grossen Hunde hüpfen nämlich frischfröhlich über den 2m Zaun, wenn sie grad Bock haben.
Die nächste Nacht durfte die kleine Katze bei Nounours im Käfig schlafen, auf einer warmen Bettflasche, und die drei Zimmerkatzen schliefen wieder bei mir.
Am Freitag sind wir noch den Präsidenten der Assisiaction Coeur sur la Pattes besuchen gegangen, haben den Gratis Zoo von Agadir besucht und sind suuuper lecker Couscous essen gegangen. Am Nachmittag bin ich mit Hicham bummeln gegangen auf den diversen Märkten in Agadir.
Bei der Heimfahrt am Abend entdecken wir auf einer Nebenstrasse ein Wollknäull, das lustig herumtappst. Als wir anhalten und nachschauen, ist es nicht mehr so lustig.
Ein armer, kleiner Hund, der ganz alleine im dunkeln jedem Schatten nach tappst, in der Hoffnung es sei seine Mama. Wir haben nicht lange studiert als wir keine anderen Jungen oder eine Hundemutter gesehen haben und die Kleine (n Mädchen, na klar) mitgenommen.
Und Michèle lachte und meinte nur „Und ich habe heute morgen gedacht, das du als einzige aus der Schweiz bei mir zu besuch warst, und noch kein Tier gefunden hast“.. Haha, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben 😉
Das kleine Wollknäull war froh, als wir ihr ein bisschen La Vache qui rie und Wasser hingestellt haben. Und den elenden Beton im Gesicht entfernt haben. Kleines, dich nehm ich natürlich im Hosensack mit nach Hause.


So eine tolle Woche mit Michèle und ihrem Zirkus (Pippistrella).

Der letzte Tag. Ich stehe auf und räume schon mal alles nicht mehr gebrauchte in den Koffer. Ich will hier nicht weg.
Als ich von meinem Zimmer runter komme zum Frühstück, empfängt mich Michèle schon am Zaun und informiert mich, das die kleine Katze die Nacht nicht überlebt hat.
Oje, ich würde gerne in Tränen ausbrechen, habe aber angst, dass wenn ich anfange zu weinen, ich nicht mehr aufhören kann bis ich im Flieger sitze.
Der Tag ist sehr emotional, hätte ich nicht meine Lieben und Verpflichtungen in der Schweiz, ich würde spontan bei Michèle bleiben.
Nach dieser Woche bin ich voller Elan und Tatendrang und hoffe, mit der Hilfe von vielen Anderen, Michèle besser unter die Arme greifen zu können, da sie physisch wie auch psychisch total am Ende ist und sie wirklich, wirklich, wirklich keinen Platz mehr hat für weitere Hunde.
Und während ich diesen Bericht schreibe, erhalte ich aus Marokko die Nachricht, das bei Michèle wieder zwei neue Hunde eingetroffen sind, während seit ich da war zwei in die Schweiz gekommen sind, einer nach Deutschland vermittelt wurde und die kleine Findelhündin an eine Freundin von Michèle vermittelt wurde.
Es gibt noch viel zu tun…..


